Immer öfter begegnen wir in unserem Arbeitsalltag Eltern und Erwachsenen, die sich mit der ADHS-Diagnose konfrontieren müssen; dabei stellt sich schnell eine Überforderung und das Gefühl der Hilflosigkeit ein. Zudem ist für viele der Weg bis zur Diagnose ist oft zu lang und Betroffene verzweifeln.
Als jemand, der selbst betroffen ist, möchte ich heute unsere Erfahrungen teilen und Handlungsalternativen aufzeigen, die über die bloße Medikation hinausgehen.
Denn ADHS ist mehr als nur eine Diagnose – es ist eine Herausforderung, die wir gemeinsam bewältigen können.
An dieser Stelle möchte ich betonen, dass es kein Selbstläufer ist eine kompetente behandelnder Person zu finden, die zu einem passt. Bei uns hat es mehrere Anläufe und intensiver Recherche gebraucht, bis wir auf unseren jetzigen Arzt gestoßen sind.
Wir haben uns an Herrn Dr Meyers gewandt bei dem wir uns von Anbeginn, gut beraten gefühlt haben. Für uns ein Arzt, der das Wohl des Betroffenen in den Vordergrund rückt und dieses sehr klar formuliert.
Zu der reinen Diagnostik, war uns noch wichtig uns mit anderen Betroffen auszutauschen.
Die Selbsthilfegruppe ADHS Deutschland e.V. ist nur eine von mehreren Angeboten.
Häufig wird die ADHS-Diagnose erst durch ein Leserechtschreibproblem oder eine Rechenschwäche ernannt. Denn auch hier gibt es ein Spektrum und die Symptome zeigen sich von Person zu Person anders. Speziell betroffene Kinder mit einer Hyperaktivität werden oft als anders wahrgenommen, schaffen es nicht, ihr Potenzial auszuschöpfen, haben soziale Probleme und stehen sich aufgrund der Thematik oft selbst im Weg. All das ist mit hohem Leid verbunden und hat große Auswirkungen auf die direkte Umgebung, Familie, Schule, Freunde, Hobbys.
ADHS betrifft nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene. Oftmals fühlen sich Betroffene und ihre Familien alleingelassen und wissen nicht, wie sie mit den Symptomen umgehen sollen. Medikamente können zwar eine ergänzende Maßnahme sein, aber sie allein lösen nicht das Problem. Es bedarf zusätzlicher Verhaltensänderungen und vor allem Verständnis – für sich selbst und für die Umwelt.
Eine Möglichkeit, mit ADHS umzugehen, ist die Auseinandersetzung mit frühkindlichen Reflexen. Diese Reflexe, die eigentlich im Laufe der Entwicklung verschwinden sollten, können bei ADHS-Betroffenen persistieren und zu Schwierigkeiten in der Koordination und Wahrnehmung führen. Durch gezielte Übungen und Therapien können diese Reflexe integriert werden, was zu einer Verbesserung der Symptome führen kann.
Ein weiterer vielversprechender Ansatz ist Neurofeedback. Diese nicht invasive Methode trainiert das Gehirn, indem es ihm Rückmeldungen über seine Aktivität gibt. Durch regelmäßiges Training können Betroffene lernen, ihre Aufmerksamkeit zu steuern und Impulskontrolle zu verbessern.
Das Marburger Konzentrationstraining ist ebenfalls eine bewährte Methode, um ADHS-Symptome zu reduzieren. Dabei werden gezielt kognitive Fähigkeiten wie Arbeitsgedächtnis und Konzentration trainiert, was sich positiv auf die Alltagsbewältigung auswirken kann.
Für ein besseres Verständnis der Thematik empfehle ich das Buch „Unruhe im Kopf“ von Gabor Maté. Der Autor dessen Kinder und auch er selbst betroffen sind, beleuchtet die verschiedenen Aspekte von ADHS aus einer ganzheitlichen Perspektive und zeigt Wege auf, wie Betroffene und ihre Familien mit der Herausforderung umgehen können. Das Buch welches auch als Audio erhältlich ist, hat mir geholfen, etwas mehr Orientierung im Umgang mit der Diagnose zu bekommen.
Wichtig ist, sich über die verfügbaren Optionen zu informieren und gegebenenfalls mit Fachleuten, Versicherungen und staatlichen Stellen zu sprechen, um die bestmögliche Unterstützung zu erhalten.
- **Diagnose und Behandlung**:
Ein erster Schritt ist die Diagnosestellung durch einen Facharzt oder Psychiater. Die Kosten für die Diagnose und Behandlung können von der Krankenversicherung übernommen werden.
- **Therapie und Unterstützung**:
Verschiedene Therapien wie Verhaltenstherapie, Ergotherapie oder Psychotherapie können helfen. Diese können durch die Krankenversicherung abgedeckt sein oder es gibt staatliche Unterstützungsmöglichkeiten.
- **Medikamente**:
Wenn Medikamente verschrieben werden, können die Kosten je nach Versicherung unterschiedlich sein. Manche Versicherungen übernehmen einen Teil der Kosten, während andere Medikamente möglicherweise nicht abdecken.
- **Elterntraining**:
Für Eltern von Kindern mit ADHS gibt es spezielle Schulungen und Unterstützungsgruppen, die helfen können, den Umgang mit der Erkrankung zu erleichtern. Diese können oft von öffentlichen Gesundheitseinrichtungen oder gemeinnützigen Organisationen angeboten werden.
- **Schulische Unterstützung**:
Schulen können zusätzliche Ressourcen wie spezielle Unterrichtsangebote, Nachhilfe oder individuelle Förderung bereitstellen. In einigen Fällen können Schulen auch finanzielle Unterstützung für spezielle Programme oder Dienstleistungen beantragen. In der Regel wird bei ADHS dem
Nachteilsausgleich stattgegeben.
- **Arbeitsplatzunterstützung**:
Für Erwachsene mit ADHS können Anpassungen am Arbeitsplatz hilfreich sein, wie flexible Arbeitszeiten, spezielle Arbeitsumgebungen oder Unterstützung durch einen Betreuer. Einige Unternehmen bieten diese Anpassungen an, während andere staatliche Unterstützungsprogramme nutzen können.
Abschließend möchte ich betonen, dass ADHS kein Hindernis, sondern eine Herausforderung ist, die mit der richtigen Unterstützung bewältigt werden kann. Durch eine ganzheitliche Herangehensweise, die neben Medikamenten auch Verhaltensänderungen und Verständnis umfasst, können Betroffene ein erfülltes Leben führen und ihre Potenziale entfalten. Wir haben uns dazu entschlossen gemeinsam als Familie diesen Weg zu gehen und ADHS als Chance zur persönlichen Entwicklung zu begreifen.